Rupert Mayer

Namenstage: Rupert

Funktion: Seliger, Priester, Widerständler gegen den Nationalsozialismus

Gedenktag: 1. November

Rupert Mayer kam am 23. Januar 1876 in Stuttgart als Sohn einer großen, vermögenden Kaufmannsfamilie zur Welt. Er besuchte das Gymnasium, und nach dem Abitur studierte er Theologie und Philosophie in München, Freiburg und Tübingen. Drei Jahre nach seiner Weihe zum Priester trat er 1902 dem Jesuitenorden bei. Nach Aufenthalten u. a. in Österreich und den Niederlanden wirkte er während des Ersten Weltkriegs als Militärpfarrer, wobei er 1916 in den rumänischen Karpaten das linke Bein verlor.
Nach der Rückgabe der Münchner Michaelskirche an die Jesuiten im Jahr 1921 (1871 waren sie aus dem damaligen Deutschen Reich verbannt worden; dieses Gesetz wurde 1917 aufgehoben) wurde Rupert Mayer zum Präses, d. h. zum geistlichen Leiter der von den Jesuiten geführten »Marianischen Männerkongregation München« berufen. Diese existierte seit 1610 und bestand aus Männern, die sich in besonderer Weise der Marienverehrung widmeten. In diesem Amt zeigte sich Rupert Mayer nicht nur als brillanter Prediger, sondern fiel auch durch seine offenen Worte zu aktuellen Fragen auf, wobei er stets die christlichen Grundsätze betonte und verteidigte. Schon früh warnte Rupert öffentlich vor den drohenden Gefahren des Nationalsozialismus. Diese Unerschrockenheit brachte ihm im April 1937 ein Rede- und Predigtverbot ein, das er jedoch ignorierte. Im Juni wurde er verhaftet, doch nach Protesten von Klerus und Bürgern im Juli wieder freigelassen. Eine zweite, dieses Mal mehrmonatige Inhaftierung folgte bereits 1938, und eine dritte Festnahme im November 1939 endete für Rupert Mayer im Konzentrationslager Sachsenhausen, weil er sich weigerte, der Gestapo Auskunft über von ihm geführte Seelsorgegespräche zu geben. Da sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechterte und die nationalsozialistische Führung kein Interesse daran hatte, ihn zum Märtyrer werden zu lassen, verlegte man ihn nach siebenmonatiger Einzelhaft im August 1940 ins Kloster Ettal, wo er bis Kriegsende unter strengem Hausarrest stand. Im Mai 1945 kehrte er nach München zurück und nahm seine Arbeit als Seelsorger wieder auf. Am 1. November 1945 jedoch erlitt Rupert Mayer, der sich körperlich nie mehr von den Folgen der Haft erholt hatte, während einer Predigt am Altar in der Münchner Bürgersaalkirche einen Schlaganfall, an dessen Folgen er kurz darauf starb.
Unmittelbar nach seinem Begräbnis auf dem Jesuitenfriedhof in Pullach besuchten so viele Menschen das Grab Rupert Mayers, dass man seinen Leichnam am Dreifaltigkeitssonntag 1948 (23. Mai) in die Innenstadt überführte und in der Bürgersaalkirche bestattete. Am 3. Mai 1987 wurde der »Münchner Männerapostel« von Papst Johannes Paul II. während dessen zweitem Deutschlandaufenthalt im Münchner Olympiastadion seliggesprochen.
Nach wie vor kommen jeden Tag Gläubige aus ganz Bayern in die Kirche, um vor dem Grab Rupert Mayers Andacht zu halten oder sich vom »15. Nothelfer Münchens« Hilfe zu erbitten, um dessen Heiligsprechung sich die Männerkongregation intensiv bemüht.

 

Quelle: Herder-Verlag

Dieser Text ist dem "Lexikon der Heiligen und Namenstage" entnommen. Albert Urban (Hg.), Herder-Verlag, Freiburg, 2010

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